Jörn Michael, Zwerge

2 + 4 Wachstumslinien

Gemeinschafts-Projekt von Kunstkeller Annberg-Buchholz,
Oberpfälzer Kunstverein und Kunstverein Weiden
anlässlich Städtepartnerschaft Annaberg-Buchholz und Weiden und der deutschen Wiedervereinigung

Grenzgänger
Carlfriedrich Claus (1930 - 1998)
Max Bresele (1944 - 1998)

Ergebnisse des Workshops
Die Entgrenzte Linie Künstler/innen aus Ost und West und mit Migrations - und Inclusions-Hintergrund
schaffen Erzählungen in wandgroßem Linolschnitt. 

Eröffnung
Sonntag 2. Oktober 2016, 13:30 Uhr

Ausstellungsdauer
30. September – 6. November 2016

“Zusammenwachsen, sich annähern, miteinander in Gespräch kommen: Vor 26 Jahren ebnete an einem 3. Oktober der 2-4 Vertrag auf staatspolitischer Ebene die Wiedervereinigung. Wie die Menschen mit ihren unterschiedlichen Sozialisationen zusammenfinden würden, konnten die Verträge jedoch nicht regeln. Lebendige Begegnungen, Austausch und Kommunikation unterstützt die Annäherung von Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Nicht die Metaebene der Geschichtsbücher, sondern der gelebte gemeinsame Alltag hilft über Barrieren hinweg. 26 Jahre nach der deutschen Einheit ist dieser Prozess der Begegnung längst nicht abgeschlossen, und weltweit stellen Migration, wirtschaftspolitische Prozesse und Umweltprobleme alle vor gleich große Herausforderungen.

Die beiden Weidener Kunstvereine machen mittels Bezug zu den 2 + 4 Gesprächen symbolisch aus dem staatspolitischen Akt ein bürgerschaftliches Miteinander mit den Mitteln der Bildenden Kunst und laden anlässlich der Feierlichkeiten zur Städtepartnerschaft Weiden–Annaberg vom 30. September bis 3. Oktober zur Kunstbegegnung ein. Gast der Kunstaktion, bei der auch die beiden Weidener Kunstvereine in einen gemeinsamen Arbeitsprozess treten, ist der Kunstkeller Annaberg. Unter dem Motto „Wachstumslinien“ arbeiten in den Räumen des Kunstverein Weiden Künstlerinnen und Künstler aller drei Kunstvereine sowie Künstler mit Flucht- und Migrationserfahrung. Gemeinsames Kommunikationsmittel ist die Linie. „Gemeinsam auf einer Linie sein“, „an einem Strang ziehen“: viele Redewendungen nehmen eines der ältesten grafischen Ausdrucksmittel beim Wort, an den Wänden des Kunstvereins wird es in die Tat umgesetzt. Einfache Linien sollen als Grundausdrucksmittel bei der künstlerischen Arbeit im Vordergrund stehen, sich im Ausstellungsraum entwickeln, den ganzen Raum füllen und zum gemeinsamen Zeit-Raum werden. Akteure sind dabei nicht nur die Künstlerinnen und Künstler, sondern auch die Besucher selbst. Künstler als auch Besucher der dreitägigen Kunstaktion schneiden Linien in großformatige Platten aus Linoleum. Beim Schneiden und Herstellen der Druckstöcke entsteht körperliche Energie, dem Hochdruck ist seit jeher eine expressive Kraft zu eigen, die Einzigartigkeit hervorbringt. Keine Linie gleicht der anderen, auf eine unverwechselbare, dem Fingerabdruck ähnliche Art, schneidet jeder anders, jeder muss auf die Linie des anderen reagieren und in der gemeinsamen, bildnerischen Aktion begegnen sich Individualität und soziale Gemeinschaft. 

Bei der abschließenden Präsentation der Kunstaktion und Ausstellungseröffnung haben die Besucher die Möglichkeit, sich von den großformatigen Druckstöcken selbst Abzüge zu drucken. Ein Arbeitsbereich stellt Werkzeuge und Papiere in verschiedenen Größen bereit. Die Kunstaktion wird somit zum gemeinsamen Happening, bei dem sich die Akteure aus wechselnden Perspektiven und in verschiedenen Rollen wahrnehmen und kennenlernen. Eine Werkschau der drei Vereine stellt zeichnerische Positionen vor, bei der ebenfalls das lineare Ausdrucksmittel im Vordergrund steht. 

Irene Fritz

 


Carlfriedrich Claus


Max Bresele

Max Bresele und Carlfriedrich Claus - Grenzgänger

Flankiert wird das Wirken der künstlerischen Kräfte aus den Partnerstädten von einer kleinen Doppelausstellung mit Arbeiten von Carlfriedrich Claus aus Annaberg Buchholz und Max Bresele aus Schwandorf in der Oberpfalz, beide 1998 verstorben, beide politisch motivierte Künstler-Persönlichkeiten, in kritischer Distanz zu ihrer sozialistischen bzw kapitalistischen Gesellschaft produzierten sie nicht nur Kunst, die in kein Schema passte, sondern lebten sie auch, ganz und gar, als Aussenseiter, Randexistenzen und Überbau - und Utopie-Arbeiter einer humanen und ökologisch orientierten Welt.

Zwischen diesen künstlerischen Positionen, die in der Vergangenheit das Prinzip Hoffnung symbolisiert haben, treffen sich Künstler/innen der Nachwelt, Mitglieder und Freund/innen der Kunstvereine aus Annaberg-Buchholz und Weiden, und arbeiten drei Tage an einem künstlerischen Gemeinschaftsprojekt. Eine gemeinsame wandgroße Linolschnitt-Arbeit wächst heran, die symbolisch die Fäden bzw Linien der politisch adressierten Kunst ihrer verstorbenen Kollegen aufnimmt und weiterführt. Unter Verwendung der universellen Sprach-Mittel von Kunst wächst so zum Ganzen zusammen, was zusammengehört.

Das gemeinschaftliche Linolschneiden findet in den Räumen des Kunstvereins statt und beginnt Fr. 30.9. und endet So. 2.10. und ist tagsüber für die Öffentlichkeit zugänglich. Beteiligung ist erwünscht, der Linolschnitt wird mit einer Strassenwalze des Bauhofs gedruckt, Teile des Druckwerks können erworben werden. Eröffnung der Ausstellung ist So. 2.10. 13.30 Uhr.